Meine Reha-Erfahrung in der Aggertalklinik – eine Empfehlung für lange Menschen

  • Ich möchte hier auch einmal über eine wirklich positive Erfahrung mit einer Reha-Klinik berichten.

    Im Mai hatte ich eine Hüft-OP und stand anschließend wieder vor der Frage: In welche Reha-Klinik kann ich als langer Mensch überhaupt gehen und dort vernünftig versorgt werden?

    Das klingt zunächst vielleicht nach einer einfachen Frage. Meine Erfahrungen der vergangenen Jahre waren allerdings alles andere als gut. Meine letzten vier Rehas musste ich jeweils bereits nach etwa zwei Tagen abbrechen, weil die Kliniken schlicht nicht auf meine Körpergröße und die damit verbundenen Anforderungen eingestellt waren.

    Viele denken bei langen Menschen zunächst nur an ein längeres Bett. Aber damit ist es bei Weitem nicht getan.

    Gerade nach einer Hüftoperation ist beispielsweise die richtige Sitzhöhe enorm wichtig. Der Winkel zwischen Oberschenkel und Oberkörper sollte beim Sitzen größer als 90 Grad sein. Auf einem normalen Stuhl mit einer üblichen Sitzhöhe von etwa 44 bis 46 cm ist das für sehr lange Menschen kaum möglich.

    Und der Stuhl ist nur der Anfang.

    Tische müssen zur Sitzhöhe passen, Duschen und Duschköpfe müssen hoch genug sein, Toiletten müssen nutzbar sein und auch Therapiegeräte, Bewegungsmaschinen und Bewegungsbäder müssen für große und schwere Menschen geeignet sein. Dazu kommt die Belastbarkeit der Ausstattung.

    Bei mir sind es rund 150 kg Körpergewicht. In meinen vorherigen Rehas waren viele Dinge entweder zu klein, zu niedrig oder schlicht nicht für dieses Gewicht ausgelegt. Unter diesen Voraussetzungen ist eine vernünftige Rehabilitation kaum möglich.

    Und dann kam die Aggertalklinik

    Vor meiner Reha habe ich knapp 70 Kliniken in Deutschland durchtelefoniert. Immer wieder kam irgendwann der Punkt, an dem mir gesagt wurde: Nein, diese oder jene notwendige Voraussetzung können wir nicht erfüllen.

    Bei der Aggertalklinik war das anders.

    Dort habe ich zum ersten Mal erlebt, dass viele Dinge, die für uns lange Menschen problematisch sind, entweder bereits standardmäßig passen oder Lösungen vorhanden sind.

    Zum Beispiel:

    • Betten mit 2,20 m Länge
    • Duschkopf in etwa 2,20 m Höhe
    • Stühle mit ca. 55 cm Sitzhöhe statt der üblichen 44–46 cm
    • Ausstattung mit einer Belastbarkeit von etwa 200 bis 300 kg
    • ein Bewegungsbad mit ca. 1,60 m Wassertiefe

    Die hohe Belastbarkeit dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Klinik ebenfalls auf adipöse Patienten eingestellt ist. Für lange und gleichzeitig schwere Menschen ist das natürlich ein großer Vorteil.

    Eine Sache beim Bewegungsbad fand ich besonders interessant: Statt das Becken für große Menschen zu flach zu bauen, ist es entsprechend tief. Kleinere Menschen bekommen bei Bedarf eine Erhöhung bzw. ein Podest ins Wasser gelegt.

    So herum funktioniert Inklusion eben auch.

    Für mich war aber am Ende nicht entscheidend, wie viele Zentimeter ein Bett oder ein Stuhl hat. Entscheidend war das Ergebnis:

    Ich habe dort wieder laufen gelernt.

    Nach vier abgebrochenen Rehas war das für mich eine ganz besondere Erfahrung. Zum ersten Mal hatte ich nicht das Gefühl, dass meine Körpergröße ein Problem ist, für das irgendwie improvisiert werden muss.

    Deshalb möchte ich die Erfahrung hier unbedingt weitergeben.

    Wer als langer Mensch nach einer orthopädischen Reha, insbesondere nach einer Hüft- oder Knieoperation, sucht, sollte sich die Aggertalklinik meiner Erfahrung nach definitiv anschauen.

    Natürlich sollte jeder seine individuellen Anforderungen vorher mit der Klinik besprechen – gerade Körpergröße, Gewicht, notwendige Sitzhöhe und benötigte Hilfsmittel. Aber von den knapp 70 Kliniken, mit denen ich vor meiner Reha Kontakt hatte, war die Aggertalklinik diejenige, bei der es für mich tatsächlich funktioniert hat.

    Und vielleicht erspart dieser Erfahrungsbericht dem einen oder anderen langen Menschen die Odyssee, die ich hinter mir habe.