Grippe oder Corona - 100 Jahre und kein bisschen weiser

  • Vor 100 Jahren: Das Schweizer Satire-Magazin „Nebelspalter” veröffentlichte 1920 ein satirisches Gedicht über die spanische Grippe. Im Corona-Jahr klingt dies sehr aktuell.


    Die Grippe und die Menschen


    Als Würger zieht im Land herum

    Mit Trommel und mit Hippe,

    Mit schauerlichem Bum, bum, bumm,

    Tief schwarz verhüllt die Grippe.


    Sie kehrt in jedem Hause ein

    Und schneidet volle Garben -

    Viel rosenrote Jungfräulein

    Und kecke Burschen starben.


    Es schrie das Volk in seiner Not

    Laut auf zu den Behörden:

    "Was wartet ihr? Schützt uns vorm Tod -

    Was soll aus uns noch werden?

    Ihr habt die Macht und auch die Pflicht -

    Nun zeiget eure Grütze -

    Wir raten euch: Jetzt drückt euch nicht.

    Zu was seid ihr sonst nütze!


    's ist ein Skandal, wie man es treibt.

    Wo bleiben die Verbote?

    Man singt und tanzt, juheit und kneipt.

    Gibt's nicht genug schon Tote?"


    Die Landesväter rieten her

    Und hin in ihrem Hirne.

    Wie dieser Not zu wehren wär',

    Mit sorgenvoller Stirne:


    Und sieh', die Mühe ward belohnt.

    Ihr Denken ward gesegnet:

    Bald hat es, schwer und ungewohnt,

    Verbote nur geregnet.


    Die Grippe duckt sich tief und scheu

    Und wollte sacht verschwinden -

    Da johlte schon das Volks aufs Neu'

    Aus hunderttausend Münden:


    "Regierung, he! Bist du verrückt -

    Was soll dies alles heißen?

    Was soll der Krimskrams, der uns drückt,

    Ihr Weisesten der Weisen?


    Sind wir den bloß zum Steuern da,

    Was nehmt ihr jede Freude?

    Und just zu Fastnachtszeiten - ha!"

    So gröhlt und tobt die Meute.


    "Die Kirche mögt verbieten ihr,

    Das Singen und das Beten -

    Betreffs des andern lassen wir

    Jedoch nicht nah uns treten!


    Das war es nicht, was wir gewollt.

    Gebt frei das Tanzen, Saufen.

    Sonst kommt das Volk - hört, wie es grollt,

    Stadtwärts in hellen Haufen!"


    Die Grippe, die am letzten Loch

    Schon pfiff, sie blinzelt leise

    Und spricht: "Na endlich - also doch!"

    Und lacht auf häm'sche Weise.


    "Ja, ja - sie bleibt doch immer gleich

    Die alte Menschensippe!"

    Sie reckt empor sich hoch und bleich

    Und schärft aufs neu die Hippe.



    Einfach weniger Energiekosten + Das große Vergleichsportal


    Zwischen Bremen und Neapel, zwischen Wien und Singapore
    habe ich manche hübsche Stadt gesehen.
    Städte am Meer und Städte hoch auf Bergen,
    und aus manchem Brunnen habe ich als Pilger einen Trunk getan,
    aus dem mir später das süße Gift des Heimwehs wurde.
    Die schönste Stadt von allen aber, die ich kenne, ist Calw an der Nagold,
    ein kleines, altes, schwäbisches Schwarzwaldstädtchen. ...


    ..., und bleibe dann lang auf der Brücke stehen. Das ist mir der liebste Platz im Städtchen,
    der Domplatz von Florenz ist mir nichts dagegen.
    (Hermann Hesse, Nobelpreis für Literatur 1946)


    Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren. (Benjamin Franklin)
    Wenn du deine Feinde behalten willst, versuche nicht, sie kennenzulernen. (Campino - Die toten Hosen)